Geschichte, die unter die Haut geht

Einen ganz besonderen Besuch durfte die 9. Jahrgangsstufe unserer Schule am 15. Juli 2026 erleben: Die beiden Schauspieler Anton Jungblut und Riccardo Lando waren zu Gast und präsentierten das literarische Kammerspiel „Empfänger unbekannt“.

Das Theaterstück ist angelehnt an den Briefroman „Adressat unbekannt“ von Kressmann Taylor, der erstmals 1938 veröffentlicht wurde. Das Werk erzählt anhand eines fiktiven Briefwechsels die Geschichte zweier Freunde und Geschäftspartner: Während der jüdische Amerikaner Max Eisenstein in den USA bleibt, kehrt Martin Schulse nach Deutschland zurück. Unter dem zunehmenden Einfluss des Nationalsozialismus verändert sich Martin immer stärker, wendet sich von seinem langjährigen Freund ab und wird schließlich selbst zum überzeugten Anhänger des NS-Regimes. Auf eindringliche Weise zeigt die Geschichte, wie politische Ideologie, Antisemitismus und Menschenverachtung eine Freundschaft zerstören und schließlich eine dramatische Entwicklung in Gang setzen.

Mit ihrer packenden und intensiven Darbietung gelang es Anton Jungblut und Riccardo Lando, die Schülerinnen und Schüler unmittelbar in die Handlung hineinzuziehen. Mit eindrucksvoller schauspielerischer Präsenz vermittelten sie dabei nicht nur die persönliche Tragödie der beiden Protagonisten, sondern machten zugleich die Auswirkungen von Ausgrenzung, Verfolgung und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft auf den einzelnen Menschen greifbar.

Im Anschluss an die Aufführung hatten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, den beiden Schauspielern Fragen zu stellen. Anton Jungblut und Riccardo Lando berichteten offen über ihre persönliche Auseinandersetzung mit dem Stück, ihre Vorbereitung auf die anspruchsvollen Rollen und darüber, was es für sie bedeutet, sich auf der Bühne immer wieder mit einem solch bedrückenden Kapitel der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen.

So wurde aus der Theateraufführung weit mehr als eine gewöhnliche Unterrichtsstunde: Geschichte wurde unmittelbar erlebbar. Das literarische Kammerspiel bot unseren Schülerinnen und Schülern einen besonderen Zugang zur Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus und regte zugleich zum Nachdenken über Verantwortung, Menschlichkeit und die Gefahren von Ausgrenzung und ideologischer Verblendung an.

Insgesamt war der Besuch von Anton Jungblut und Riccardo Lando eine spannende, eindrucksvolle und überaus gewinnbringende Veranstaltung für unsere 9. Jahrgangsstufe, die sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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